Home, sweet Home

Gibt es in einer virtuellen Online-Welt so etwas wie ein Zuhause? Hat der Begriff Heimat zwischen Prims und Partikeln Platz? Können beim Gedanken an ein Stück Pixelwiese Sehnsuchtsgefühle aufkommen?

Ich für meinen Teil kann diese Frage ganz klar mit „Ja“ beantworten. Meine Heimat in Second Life heißt Scimitar. Dieser Ort, weit oben im Mainland von Second Life gelegen, ist zwar nicht der erste Ort, an dem ich in Second Life „wohnte“, aber zumindest der Ort, an dem ich die meiste und intensivste Zeit am Stück verbracht habe.

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Papierschloss

Snapshot_001Faszinierendes Papierschloss. Gesehen im „Wunderland“ in Metropolis.

Internal database error

Das letzte Hemd hat keine Taschen, sagt ein Sprichwort. Gemeint ist damit, dass wir keine diesseitigen Güter oder gar Reichtümer mitnehmen können ins Jenseits. Wenn es ein solches gibt, kommen wir dort an, wie Gott uns schuf: bar jeden Besitzes. Einige Religionen glauben, dass man im jenseitigen Leben sich zumindest rechtfertigen muss für das, was man im Diesseits getan hat. War man ein schlechter Mensch oder ein guter? Es soll Einfluss haben auf die Behandlung, die uns im Jenseits zuteil wird. Was man also – demzufolge – mitnimmt, ist die Reputation, die man erworben hat. Man könnte es auch positiver formulieren: Ins Jenseits hinüber retten wir unsere Erfahrungen, das Erlebte, die Erinnerung an unser diesseitiges Sein, wie auch immer dieses verlaufen sein mag.

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Inception oder: Virtualität ist uralt

Eigentlich wollte ich diesen Blogbeitrag schon längst geschrieben haben, denn es ist nun auch schon wieder eine Weile her, seit ich den Film gesehen habe: Inception. Das war für mich einer der beeindruckensten Filme der vergangenen Jahre. Nicht aufgrund der schauspielerischen Leistung, die aber für Leonardo DiCaprio-Verhältnisse auch wirklich gut war (er ist irgendwie erwachsen geworden), sondern wegen des Themas und der Umsetzung desselben. Inception handelt von Menschen, die in der Lage sind, nicht nur in Träume anderer einzudringen, sondern sie auch zu gestalten. Manche sind die „Architekten“; sie sind verantwortlich für die „Kulissen“, in denen die Träume spielen. Wiederum andere schlüpfen in bestimmte Rollen, agieren gewissermaßen als Avatare, an die die Träumenden bestimmte Erwartungen stellen.

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Mein kleines, schnelles Leben

Über das Vergehen von Zeit macht man sich normalerweise nur dann Gedanken, wenn sie scheinbar nicht vergeht. Wenn man sich also zum Beispiel langweilt. Oder auf etwas wartet. Situationen also, in denen es gilt, „Zeit tot zu schlagen“.

Auch im Rückblick werden wir uns des Zeitvergehens bewusst, kommentieren dies dann meistens mit Sätzen wie „Ach wie schnell die zeit doch vergangen ist.“ Natürlich legen wir dabei keine objektiven Maßstäbe an, das Empfinden ist in der Regel subjektiv. Je nach dem, ob eine Zeit spannend, interessant und schön oder langweilig, schlecht oder nervig war, beurteilen wir sie als „schnell vergangen“ oder „quälend langsam vergangen“.

In virtuellen Realitäten vergeht die Zeit oft rasend schnell. Das liegt vermutlich daran, dass wir – wenn die jeweilige Realität gut gemacht ist – an jeder Ecke Neues oder Schönes beobachten oder erleben. Während der Zeit, die ich intensiv in Second Life verbracht habe, kam noch etwas anderes hinzu als das bloße Vergehen von Zeit (das ich als schnell empfunden habe): Es passierte unglaublich viel in dieser eigentlich kurzen Zeit (meine intensive Second-Life Erfahrung dauerte insgesamt etwa ein halbes Jahr): Rückblickend kommt es mir so vor, als hätte ich in Second Life wirklich noch ein zweites Leben erlebt und mit dem, was ich erlebt habe, könnte man locker (im realen Leben) ein Jahrzehnt vollstopfen. (Nachfolgende Bilder dokumentieren einzelne Stationen dieser Lebensphase.

Das liegt mit Sicherheit daran, dass die virtuelle Welt dort drüben bei Second Life (und wahrscheinlich nicht nur dort, gleiches kann man vermutlich bei vielen virtuellen Realitäten beobachten) sehr sehr schnelllebig ist. Während es hier manchmal Jahrzehnte dauert, ehe sich Gegebenheiten, zum Beispiel landschaftliche oder architektonische, ändern, passiert das in der virtuellen Realität manchmal binnen Wochen oder gar Tagen. Da ist man mal ein paar Wochen nicht in einem bestimmten Gebiet, und schon hat sich alles verändert.

Und es liegt daran, dass man auch sich selbst in dieser Zeit immer wieder verändert, sich manchmal neu erfindet und anderen Interessen in der virtuellen Welt nachgeht als noch eine Woche zuvor. Auf meiner Festplatte habe ich in den letzten Tagen einen Haufen Screenshots aus Second Life gesichtet, die sehr anschaulich dokumentieren, wie sich immer wieder alles verändert hat. In dem halben Jahr, das ich erwähnte, habe ich in einem Wohnwagen gelebt, in einer Villa, einem Schloss, einem Steampunk-Luftschiff. Mein Inventar ist voll mit Dingen, die mich – je nach Lust und Laune – eine komplett andere Welt erschaffen lassen. In dieser Zeit aber habe ich auch viele Menschen kennengelernt mit unterschiedlichen Interessen, verschiedenen Macken und unterschiedlicher Mentalität. Und alles ging so rasend schnell, das es mir nach meinem herkömmlichen Zeit- und Erlebensempfinden wie ein ganzes Jahrzehnt vorkommt.

Bereue ich es also, so intensiv in einer virtuellen Realität gelebt zu haben, dabei mit dem Gut Zeit geradezu verschwenderisch umgegangen zu sein, mich vielleicht auch ein wenig virtuell verausgabt zu haben?

Nein! – Ich sehe es so: Mir wurde die Gelegenheit gegeben, ein Jahrzehnt mehr zu erleben, als es mir nach meiner üblichen Lebenszeit gewährt wäre. Ich habe Dinge erlebt, die ich in meiner tatsächlichen Realität nie erlebt hätte; ich habe virtuelle Erinnerungen, auf die ich tatsächlich zurückblicken kann und über die ich mich freuen kann, dass ich sie erlebt habe. Manchmal schwelge ich auch in diesen Erinnerungen und kann nichts Verwerfliches daran finden, dies zu tun.

Aber das wirklich Schöne (oder Tröstliche) ist: Auch wenn die (intensive) Zeit in Second Life vorbei ist, lässt sich dieses rasante (er)Leben in fast jeder anderen virtuellen Realität wiederholen. Ich habe also möglicherweise noch Jahrzehnte vor mir, die nicht wesenlich von meinem tatsächlichen Lebenszeitkonto abgehen.

Virtuelles (Zusammen-)Leben organisieren

Die Motivation, sich in eine 3D-Umgebung zu begeben, dürfte bei den meisten Menschen ähnlich sein, und vermutlich unterscheidet sie sich auch nicht von der Antriebskraft, die vor fünfhundert oder tausend Jahren Menschen bewegte, in neue Welten aufzubrechen: Neugier. Doch wie kann es gelingen, dass Menschen auch in einer virtuellen Welt bleiben, dass sie nicht die Lust daran nach einer gewissen Zeit verlieren oder gar aus Frust, Enttäuschung oder Ärger wieder ab- oder weiterziehen? Mit anderen Worten: Wie kann es gelingen, virtuelles Leben und Zusammenleben so zu organisieren, dass diejenigen, die daran teilhaben, den Spaß nicht verlieren?

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Ein Kongress-Zentrum

Kongresszentrum

Eine der freien Sims, die ich auf meinem lokalen Simulator mal importiert habe, enthält übrigens ein komplettes Kongress-Zentrum inklusive eines Vortragssaals mit (gefühlten) hundert Stühlen – wenn die mal alle besetzt sind, ist der Simulator wahrscheinlich so lahm, dass keine Kommunikation mehr möglich ist 😉 – und diversen anderen Einrichtungen. Wenn man es gerne großmächtig haben möchte, ist so etwas dann die ideale Startsim…

Die Sim stammt übrigens von OpenVCE.

Von falschen Vorstellungen und echten Gefühlen

Unter Menschen, die sich noch nie damit befasst haben, ist es ein weit verbreitetes Vorurteil, dass es reine Zeitverschwendung sei, seine Zeit damit zu verbringen, sich in virtuellen Welten herumzutreiben. Schließlich sei das ja alles nicht echt – virtuelle Güter, die nicht existent sind; künstlich erzeugte Sonnenuntergänge, denen keine Wahrhaftigkeit innewohnt; überhaupt könne man in solchen Welten – auch wenn man anderen Menschen begegnet, gar nicht unterscheiden: Was ist real? Alles könne Schein sein. Auch das, was einem das Gegenüber vorgaukelt. Warum also sich damit befassen, wenn alles nur Schein ist?

Dasselbe, könnte man als Gegenargument ins Feld führen, gilt doch aber auch in gewissem Maße für die so genannte „reale Welt“. Da wird gegaukelt und vorgespiegelt, was das Zeug hält. Wir alle tragen unsere Masken im Alltag wie unser Avatar in der Anderwelt seinen Skin trägt. Vertrauen in andere bildet sich erst mit der Erfahrung. Ein Kind weiß nicht, dass eine Fata Morgana nicht real ist, weil es ihm noch niemand gesagt hat. Wir die Erwachsenen wissen es, weil wir es in Büchern gelesen, im Fernsehen (auch eine Art Parallelwelt) gesehen, von unseren Eltern gehört oder vielleicht sogar selbst festgestellt haben.

Nicht anders verhält es sich auch mit den virtuellen Welten. Mit Sandkasten-3D-Spielen wie Second Life oder Spielewelten wie Myst, die Sims oder Grand Theft Auto. Indem wir diese Spiele spielen, diese anderen Welten ausprobieren, sammeln wir Erfahrungen damit und darin, was daran virtuell ist: Sicher, die Sonnenuntergänge sind aus künstlichem Licht erzeugt, die Häuser aus Pixeln gebaut, ebenso wie die Kreaturen, die sich darin bewegen, und die oftmals unsere Stellvertreter in der künstlichen Dimension sind.

Doch was echt ist, das sind unsere Empfindungen. Ganz gleich, ob wir nun von einer künstlichen Welt angerührt wurden oder doch von einem echten Strand. Die Empfindungen, die wir dabei haben, sind immer real, denn unechte Gefühle können einem höchstens von anderen Menschen entgegen gebracht werden, wir selbst sind stets nur in der Lage, echt, also real, zu empfinden.

Wenn es Gefühle wie Langeweile, Frust oder Enttäuschung sind, die uns beim Anblick dieser Welten beschleichen, dann stimmt es tatsächlich: es ist wahrscheinlich Zeitverschwendung, dass wir uns in diesen Parallelwelten bewegen. Ich behaupte allerdings: Wer nur die vorgenannten Gefühle empfindet, wenn er sich in der Virtualität bewegt, der hat sich nicht ernsthaft damit beschäftigt, denn sonst ergibt sich der Spaß und die Freude von selbst. Wer nur von negativen Gefühlen beschlichen wird, sobald er eine virtuelle Welt betritt, dem ist es vermutlich nicht gelungen, sich erst einmal von seinen eigenen Vorurteilen frei zu machen, einfach neugierig und unvoreingenommen zu sein.

Deshalb: Erst einmal einlassen auf die andere Welt. Man kann dort genauso abtauchen wie in einem guten Buch oder einem unterhaltsamen Film. Und wenn man es wirklich auf sich zukommen lässt, kann das Fühlen sogar intensiver sein!