Inception oder: Virtualität ist uralt

Eigentlich wollte ich diesen Blogbeitrag schon längst geschrieben haben, denn es ist nun auch schon wieder eine Weile her, seit ich den Film gesehen habe: Inception. Das war für mich einer der beeindruckensten Filme der vergangenen Jahre. Nicht aufgrund der schauspielerischen Leistung, die aber für Leonardo DiCaprio-Verhältnisse auch wirklich gut war (er ist irgendwie erwachsen geworden), sondern wegen des Themas und der Umsetzung desselben. Inception handelt von Menschen, die in der Lage sind, nicht nur in Träume anderer einzudringen, sondern sie auch zu gestalten. Manche sind die „Architekten“; sie sind verantwortlich für die „Kulissen“, in denen die Träume spielen. Wiederum andere schlüpfen in bestimmte Rollen, agieren gewissermaßen als Avatare, an die die Träumenden bestimmte Erwartungen stellen.

Die ganze Zeit musste ich beim Anschauen an die virtuellen Welten, in denen wir uns heute bewegen, denken. Ein „Enviroment“, das die Handelnden in eine real erscheinende Umgebung versetzt. Nun sind die Traumwelten, die in Inception gezeigt werden, ungleich realer dargestellt als alles, was Second Life & Co. derzeit bieten können. Aber das Prinzip ist das gleiche, und das fand ich das Faszinierende an diesem Film.

Mir stellte sich die Frage: Werden wir eines Tages auch die virtuellen Welten so perfekt gestalten können, dass einem nicht zwangsläufig der Unterschied auffällt zwischen der von Menschenhirn erschaffenen Umgebung und der Realität (die philosophische Diskussion, was überhaupt real ist und ob es das ist, was wir als Realität bezeichnen, lasse ich mal außen vor).

Sicher ist es auch schon heute so, dass viele Menschen sich nahezu vollständig in virtuellen Welten verlieren können. Nicht wenige betrachten Umgebungen wie Secondlife und Open Sim, WoW oder andere Spiele als eine Erweiterung (neudeutsch: Extension) ihrer Realität, als Teil ihres Lebens.

Dafür werden sie von anderen, die nur wenig Verständnis für solche Welten haben, bestenfalls belächelt. Inception aber zeigt: Wir leben alle ab und an in unseren virtuellen Welten, nur heißen sie nicht „Zweites Leben“, sondern Träume, und dem einnehmendem Wesen eines Traums vermag sich wohl niemand zu entziehen. In dem Moment, in dem wir es träumen, erscheint es uns real, und wir leiden, lieben, leben darin.

Der Film Inception hat mir gezeigt: Virtuelle, also „unreale“ Welten sind ebenso Teil unserer Realität wie Tag und Nacht, Sommer und Winter. Nur weil sie sich nicht materialisieren, bedeutet das nicht, dass es sie nicht gibt.

Hier der Trailer (deutsch) zu Inception:

 

Veröffentlicht von

Buk

Man nennt mich Buk. Dort.

Ein Gedanke zu „Inception oder: Virtualität ist uralt“

  1. ein wunderbarer artikel, danke. 🙂
    dazu passt mein lieblingssatz von heute wunderbar:
    „Ihr sollt nicht glauben, was ihr nicht versteht, ihr sollt verstehen, was ihr glaubt.“ (Melmoth).

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