Der Tod (Majo) ist etwas, das wir nicht verstehen, nicht verstehen können. Er liegt außerhalb unseres Universum, und dennoch ist er ein ständiger Begleiter von uns seit unserer Geburt. Viele argumentieren (Schlingensief), dass unser Leben darin bestünde zu Sterben, es zu lernen, uns zu lösen von all dem was wir aufgebaut haben. Manche versuchen ihm seinen Stachel zu nehmen indem sie die Thematik humoristisch angehen (TerryPratchett – Alles Sense!), über den Sensenmann zu lachen ist eine große Leistung des menschlichen Geistes. Manche sagen, die Menschen seien die einzigen Lebewesen unseres Planeten die sich des Sterbens bewußt seien. Der Beginn des Menschsein wird oft darüber definiert, seit wann Bestattungen stattfinden. Der Ohnmacht dieses Themas wird begegnet indem Götter geschaffen werden, Jenseitiges mit der Möglichkeit der Unendlichkeit soll trösten, soll nicht alles vergeblich erscheinen lassen.
Es war mir nicht vergönnt, Majo persönlich kennenzulernen, aber das Echo das sein Gehen verursacht, spricht für sich. Wenn Kueperpunk schreibt „Mach’s gut Case“, dann drückt sich hier unser Wünschen und unsere Sehnsucht aus, dass es nicht vorbei sein mag innerhalb unserer Wahrnehmungsmöglichkeiten. Es mag sein, dass nichts verloren geht was jemals an Energie gegeben war, im gleichen Sinne wie nichts wirklich Neues entsteht. Wir sind nicht in der Lage gleichzeitig Ort und Impuls eines Teilchens präzise zu bestimmen (Heisenberg), darin steckt unsere geheimnisvolle zusätzliche Dimension, die Zeit, die wir nämlich noch nie verstanden haben und die absolut außerhalb unserer Vorstellungskraft liegt.
Zeiten in virtuellen Umgebungen laufen anders wie schon Roland geschrieben hat. Ich behaupte, unser Nicht-Verstehen-Können des Todes gibt es in Wirklichkeit nicht, erst wir haben Tod definiert, und hinter diesem Nichtverstehen steckt in Wirklichkeit das Nichtverstehen der Zeit. Und ich möchte eine gewagte These aufstellen: Kreativ sein in virtuellen 3D-Umgebungen bedeutet auf dem richtigen Weg des Loslösens zu sein von diesseitigen materiellen Gütern. Dort existiert eine andere Zeit, nicht nur dass sie oft scheinbar schneller läuft, oft scheint sie auch stillzustehen, Avatare altern nicht. Ohne Zeit gibt es kein Sterben, es gibt nur noch Gleichzeit, und so mögest du Majo nun außerhalb der Zeit sein, wie auch immer.
Interessante Betrachtungsweise des Umstands namens Tod. Insbesondere der von dir zitierte Gedanken, dass das Leben darin bestünde sterben zu lernen, hat viel Wahres, finde ich. Die Vergänglichkeit der eigenen Existenz zu akzeptieren, das ist ein schmerzlicher Prozess für jeden, dem wir aber im Laufe unseres Lebensdurch Erfahrung immer näher kommen. Letzten Endes aber wird uns der Tod dennoch unvorbereitet treffen. Worauf wir allerdings noch viel weniger vorbereitet sind als auf unseren eigenen Tod (wenn er uns plötzlich trifft, bekommen wir ohnehin nicht mehr viel mit außer dem viel zitierten Film, der abläuft, wenn er uns nicht ganz so plötzlich trifft, bleibt wenigstens Zeit, uns damit auseinanderzusetzen) ist der Tod anderer. Insbesondere, wenn sie uns in irgendeiner Art nahe oder zumindest näher standen. Das zeigen auch die vielen Kommentare, die es bei den Essentials drüben auf majos Tod gibt. Ich kannte ihn ebenfalls nicht persönlich, habe aber seine Blogs seit bestimmt auch 2001 verfolgt, zwar nicht regelmäßig, aber immer wieder. Daher habe ich den Keulenschlag auch verspürt, als ich davon las.