Auf Urlaub in Second Life

Der wohl größte Motor, der die Ökonomie im Second Life-Universum am Laufen hält, ist der Handel mit Land. Wer tiefer in die virtuelle Welt von Linden Labs einsteigt, wird früher oder später den Wunsch haben, ein eigenes Stück virtuelles Land zu besitzen, ein Zuhause, in dem er privat ist – ob mit seinen Freunden oder alleine. Daran verdient nicht nur Lnden Labs das Gros seines Geldes, auch unzählige andere geschäftstüchtige Residents wollen mitverdienen. Dass dieses Schneeballsystem nur bedingt funktioniert, habe ich bereits an anderer Stelle aufgezeigt.

Fast immer hat der „Endkunde“ das Nachsehen, denn häufig ist eigenes Land vollkommen überteuert – ganz zu schweigen von einer eigenen Sim, den knapp 65.000 Quadratmetern eigenem Paradies, der eigenen einsamen Insel, für die Linden Labs geradezu utopische Summen verlangt.

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Inception oder: Virtualität ist uralt

Eigentlich wollte ich diesen Blogbeitrag schon längst geschrieben haben, denn es ist nun auch schon wieder eine Weile her, seit ich den Film gesehen habe: Inception. Das war für mich einer der beeindruckensten Filme der vergangenen Jahre. Nicht aufgrund der schauspielerischen Leistung, die aber für Leonardo DiCaprio-Verhältnisse auch wirklich gut war (er ist irgendwie erwachsen geworden), sondern wegen des Themas und der Umsetzung desselben. Inception handelt von Menschen, die in der Lage sind, nicht nur in Träume anderer einzudringen, sondern sie auch zu gestalten. Manche sind die „Architekten“; sie sind verantwortlich für die „Kulissen“, in denen die Träume spielen. Wiederum andere schlüpfen in bestimmte Rollen, agieren gewissermaßen als Avatare, an die die Träumenden bestimmte Erwartungen stellen.

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(K)(l)eine Arena

Ausstellungshalle
Ausstellungshalle

Wer sich fragt, was ich da gerade auf dem Bild mache, ob dort vielleicht das neue OSGrid-Fußball-Stadion entsteht oder eine Art virtuelles Guggenheim… Mit Letzterem liegt man gar nicht so schlecht. Es ist der Versuch, eine Ausstellungshalle zu bauen, um Bilder und Fotos zu zeigen, und zwar nicht der übliche viereckige Kasten, sondern mal was Ausgefalleneres.

Allerdings sind das nur Vorentwürfe bzw. Tests, die gerade dort entstehen. Bauen werde ich das Ding wohl auf einem lokal laufenden Grid, um es dann vielseitig einsetzen zu können.

Kreativität entfalten

Wäre es vermessen zu behaupten, die meisten Menschen, die Secondlife und ähnliche Umgebungen aufsuchen, täten dies, um kreativ zu sein? Schließlich wird doch immer wieder behauptet, es ginge so viel um Kommerz und ums Geschäfte machen. Das stimmt auch, doch selbst dort spielt Kreativität eine Rolle: Gäbe es keinerlei virtuelle Dinge, die irgend jemand erzeugt hätte, gäbe es auch keinen Kommerz. Seien es Kleidungsstücke oder Gegenstände.

Natürlich geht es um Kreativität, auch wenn es zunächst einmal Neugier und Interesse an Kommunikation sein mag, das die Leute in diese Welten treibt. Schnell werden die meisten ihre Kreativität entdecken, werden den Wunsch entwickeln, selbst Dinge herzustellen, zu bauen, zu formen oder zu skripten – je nach Fähigkeit und Neigung. Selbst die Fertigkeit, arrangieren zu können, ist in 3D-Welten wie Secondlife oder OpenSim eine essentielle Fähigkeit, die – beherrscht – auch gut bezahlt wird.

Ich habe während meiner Aufenthalte in den 3D-Welten einiges von dem praktiziert; ich habe gebaut, arrangiert, geformt, animiert, texturiert und – in Ansätzen – auch geskriptet. Nun muss ich gestehen, dass ich keine dieser Fertigkeiten besonders gut beherrsche. Das hängt aber auch damit zusammen, dass ich an diesen Inworld-Möglichkeiten, kreativ zu sein, schnell die Lust verliere. Vieles empfinde ich mit der Zeit als mühsam und kaum befriedigend. Ich kann ein halbwegs hübsches Haus bauen, aber dann bin ich damit auch halbwegs zufrieden und sehe nicht die notwendigkeit, ein weiteres zu erstellen, sondern schleppe das bereits erstellte überall hin mit.

Die bislang größte Befriedigung fand ich – das war zu Secondlife-Zeiten – darin, schöne Dinge zu finden, und sie zu remixen. So entstandenneue Welten im Kleinformat, die es möglich machten, sich in ganz bestimmte Stimmungen zu versetzen und Emotionen freizusetzen. Vor einer Weile habe ich das einmal mit einem Bühnenbauer (oder Kulissenbauer) verglichen, und der Vergleich ist treffend.

Als echtes Manko empfinde ich, dass sich bestimmte kreative Fertigkeiten nicht so ohne Weiteres auf eine 3D-Umgebung übertragen lassen. Am ehesten gelingt das noch mit der Fotografie. So habe ich auch in Secondlife immer wieder Menschen/Avatare gesehen, die ihre Leidenschaft Fotograf in die 3D-Umgebung einbrachten. Sei es, indem sie inworld fotografierten oder indem sie Exworld-Fotografien Inworld ausstellten.

Besonders schwer fällt in diesen 3D-Welten – und man glaubt es kaum, da gerade dies durch der Ursprung aller kreativer Fantasie ist – Text in die 3D-Welt einzubringen. Texten ist in einer solchen Umgebung eine Qual, da ich zwar in der richtigen Umgebung, zum Beispiel am Strand – sein kann, aber um meinen Text zu verfassen, muss ich auf Hilfsmittel zurückgreifen, die nicht gerade dazu geeignet sind, die Inworld-Stimmung zu erhalten. Ich muss Notecards benutzen, um zu schreiben oder gar ein externes Programm, einen Browser oder ein Schreibprogramm. So stelle ich es mir nicht gerade vor, in einer 3D-Welt schreibend tätig zu sein, denn es macht die Stimmung letzlich wieder kaputt.

Von Lindenlabs wird diesbezüglich wohl kaum etwas zu erwarten sein, denn die spärlichen Inworld-Verbesserungen dienen dazu, aus den Nutzern bessere Konsumenten zu machen. Da sich die Opensim-Macher zwar nicht am Kommerz, sehr wohl aber eng an den technologischen Möglichkeiten von Second Life orientieren bzw. bestrebt sind, diese zu implementieren, dürfte auch von dieser Seite nichts zu erwarten sein.

Muss man also mal wieder alles selbst machen bzw. auf den Skipter und Coder seines Vertrauens zurückgreifen. Wir haben einige Ideen im Hinterkopf, wie man dahin kommen kann, bestimmte Tätigkeiten auch in einer solchen 3D-Umgebung zu verwirklichen. Aber das braucht Zeit, denn die Idee will erst einmal durchdacht und dann auch gründlich getestet sein, ehe sie produktiv einsetzbar ist.

Mein kleines, schnelles Leben

Über das Vergehen von Zeit macht man sich normalerweise nur dann Gedanken, wenn sie scheinbar nicht vergeht. Wenn man sich also zum Beispiel langweilt. Oder auf etwas wartet. Situationen also, in denen es gilt, „Zeit tot zu schlagen“.

Auch im Rückblick werden wir uns des Zeitvergehens bewusst, kommentieren dies dann meistens mit Sätzen wie „Ach wie schnell die zeit doch vergangen ist.“ Natürlich legen wir dabei keine objektiven Maßstäbe an, das Empfinden ist in der Regel subjektiv. Je nach dem, ob eine Zeit spannend, interessant und schön oder langweilig, schlecht oder nervig war, beurteilen wir sie als „schnell vergangen“ oder „quälend langsam vergangen“.

In virtuellen Realitäten vergeht die Zeit oft rasend schnell. Das liegt vermutlich daran, dass wir – wenn die jeweilige Realität gut gemacht ist – an jeder Ecke Neues oder Schönes beobachten oder erleben. Während der Zeit, die ich intensiv in Second Life verbracht habe, kam noch etwas anderes hinzu als das bloße Vergehen von Zeit (das ich als schnell empfunden habe): Es passierte unglaublich viel in dieser eigentlich kurzen Zeit (meine intensive Second-Life Erfahrung dauerte insgesamt etwa ein halbes Jahr): Rückblickend kommt es mir so vor, als hätte ich in Second Life wirklich noch ein zweites Leben erlebt und mit dem, was ich erlebt habe, könnte man locker (im realen Leben) ein Jahrzehnt vollstopfen. (Nachfolgende Bilder dokumentieren einzelne Stationen dieser Lebensphase.

Das liegt mit Sicherheit daran, dass die virtuelle Welt dort drüben bei Second Life (und wahrscheinlich nicht nur dort, gleiches kann man vermutlich bei vielen virtuellen Realitäten beobachten) sehr sehr schnelllebig ist. Während es hier manchmal Jahrzehnte dauert, ehe sich Gegebenheiten, zum Beispiel landschaftliche oder architektonische, ändern, passiert das in der virtuellen Realität manchmal binnen Wochen oder gar Tagen. Da ist man mal ein paar Wochen nicht in einem bestimmten Gebiet, und schon hat sich alles verändert.

Und es liegt daran, dass man auch sich selbst in dieser Zeit immer wieder verändert, sich manchmal neu erfindet und anderen Interessen in der virtuellen Welt nachgeht als noch eine Woche zuvor. Auf meiner Festplatte habe ich in den letzten Tagen einen Haufen Screenshots aus Second Life gesichtet, die sehr anschaulich dokumentieren, wie sich immer wieder alles verändert hat. In dem halben Jahr, das ich erwähnte, habe ich in einem Wohnwagen gelebt, in einer Villa, einem Schloss, einem Steampunk-Luftschiff. Mein Inventar ist voll mit Dingen, die mich – je nach Lust und Laune – eine komplett andere Welt erschaffen lassen. In dieser Zeit aber habe ich auch viele Menschen kennengelernt mit unterschiedlichen Interessen, verschiedenen Macken und unterschiedlicher Mentalität. Und alles ging so rasend schnell, das es mir nach meinem herkömmlichen Zeit- und Erlebensempfinden wie ein ganzes Jahrzehnt vorkommt.

Bereue ich es also, so intensiv in einer virtuellen Realität gelebt zu haben, dabei mit dem Gut Zeit geradezu verschwenderisch umgegangen zu sein, mich vielleicht auch ein wenig virtuell verausgabt zu haben?

Nein! – Ich sehe es so: Mir wurde die Gelegenheit gegeben, ein Jahrzehnt mehr zu erleben, als es mir nach meiner üblichen Lebenszeit gewährt wäre. Ich habe Dinge erlebt, die ich in meiner tatsächlichen Realität nie erlebt hätte; ich habe virtuelle Erinnerungen, auf die ich tatsächlich zurückblicken kann und über die ich mich freuen kann, dass ich sie erlebt habe. Manchmal schwelge ich auch in diesen Erinnerungen und kann nichts Verwerfliches daran finden, dies zu tun.

Aber das wirklich Schöne (oder Tröstliche) ist: Auch wenn die (intensive) Zeit in Second Life vorbei ist, lässt sich dieses rasante (er)Leben in fast jeder anderen virtuellen Realität wiederholen. Ich habe also möglicherweise noch Jahrzehnte vor mir, die nicht wesenlich von meinem tatsächlichen Lebenszeitkonto abgehen.

Ein Kongress-Zentrum

Kongresszentrum

Eine der freien Sims, die ich auf meinem lokalen Simulator mal importiert habe, enthält übrigens ein komplettes Kongress-Zentrum inklusive eines Vortragssaals mit (gefühlten) hundert Stühlen – wenn die mal alle besetzt sind, ist der Simulator wahrscheinlich so lahm, dass keine Kommunikation mehr möglich ist 😉 – und diversen anderen Einrichtungen. Wenn man es gerne großmächtig haben möchte, ist so etwas dann die ideale Startsim…

Die Sim stammt übrigens von OpenVCE.