Dramen

Wenn es etwas gibt, das mich immer wieder verunsichert, dann sind es die zwischenmenschlichen Aspekte auf diesen Simulationen. Sei es, dass falsches „zwischen-den-Zeilen-lesen“ stattfindet, oder sei es, dass Übertragungen stattfinden indem das eigene Denken anderen unterstellt wird (Watzlawick lässt grüssen mit seiner „Anleitung zum Unglücklichsein“).

Ist man empathisch ausreichend oder über Gebühr versorgt, so hat man einerseits die Chance sehr angenehme Situationen zu erleben, andererseits bleibt es nicht aus, dass man gerade wenn es um Reaktionen des anderen Geschlechts geht recht schnell in sehr intensive Dialoge rutscht die einen sehr verunsichern können, denn letztlich weiß man doch nichts vom Gegenüber, baut aber jede Menge Annahmen da der menschliche Geist dazu tendiert die Lücken selbständig zu füllen. Hier ist mein beliebtes Beispiel immer das Schauen auf im TV gerasterte Bilder um Personen unkenntlich zu machen, kneift man die Augen zusammen sieht man deutlich mehr, das Fehlende wird automatisch ergänzt, eine wunderbare Leistung unseres Zentralrechners ;). Ähnlich findet der Ergänzungs-Mechanismus in der VR statt, mit dem Effekt dass man bestimmte Bilder und Eindrücke von den hinter den Avataren agierenden Menschen hat, die jedoch mit der Realität so viel zu tun haben wie ein oranger Klecks an der Wand mit einer echten Sonnenblume.

Legoland ist Legoland, und als solches sollte es auch genutzt werden. Niemand kommt auf die Idee die kleinen Bausteinchen könnten der Ernährung dienen, selbst 5jährige wissen schon dass man wenn man Hunger hat doch besser in die Küche rennt oder nach Mama/Papa ruft anstatt sich in der selbstgebauten Bäckerei zu bedienen.

Einsamkeit ist jedoch in den virtuellen Welten ein immer wiederkehrender Faktor und so verfallen viele dort der Versuchung, in der Wirklichkeit fehlende Aspekte einer Partnerbeziehung dort zu kompensieren. Das mag vorübergehend von Erfolg gekrönt sein, immer jedoch hat es diverse sehr gefährliche Aspekte die an Drogenkonsum erinnern lassen. Nicht zuletzt deshalb sind MMORPGs für Jugendliche (und Erwachsene) wenn nicht mit „Abstand“ betrieben einerseits so begeisternd, andererseits so drastisch hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf den sonstigen Tagesablauf.

Bleibt als Resumé festzuhalten, dass wir hier uns der Konstruktion stets bewußt sein müssen, denn wir sehen und lesen und hören was wir zu sehen oder hören wünschen, nicht was real existiert. Natürlich können wir jetzt den Bogen weit spannen und über Konstruktivismus im allgemeinen auch in unserer realen Umgebung philosophieren, aber das mag Stoff sein für eine andere Märchenstunde … 😉